Das Bielenberg-Projekt

Der Bielenberg bei Höxter ist durch eine besonders vielfältige Pflanzenwelt gekennzeichnet und zieht schon seit rund 100 Jahren Botaniker von nah und fern in seinen Bann. Kein Wunder, dass Teile des Berges bereits 1930 unter Naturschutz gestellt wurden. Beim Bielenberg handelt es sich um eines der ältesten Naturschutzgebiete  in Westfalen.

Die ersten Schritte

Mitte der 1990er Jahre hat der Naturkundliche Verein Egge-Weser e.V. (NEW) die Pflege ausgewählter Flächen am Südhang des Bielenbergs bei Höxter übernommen. Dies geschah zunächst nur im Einvernehmen mit den Eigentümern der Flächen. Im Jahr 2002 wurde dann das Eigentum an einigen der Pflegeflächen dem Verein übertragen. Die nunmehr vereinseigenen Flächen werden seitdem gemeinsam mit benachbarten Flächen in enger  Zusammenarbeit mit der Landschaftsstation im Kreis Höxter e.V. gepflegt. 2004 wurden seitens des Vereins erste Überlegungen angestellt, weitere Flächen durch Ankauf dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Da eine grundsätzliche Verkaufsbereitschaft bestand wurden die Herrn Prof. Schumacher und Prof. Stichmann als Vertreter der NRW-Stiftung eingeladen, um der Stiftung eine zwischenzeitlich entstandene Projektidee vorzustellen:

Mit Hilfe der Stiftung sollten größere Flächen am Südhang des Bielenberg erworben werden. Es handelte sich um mageres Grünland und Magerrasen, die sich in einem unterschiedlichen Verbuschungszustand befanden. Diese Flächen sollten entbuscht und einer zielkonformen Nutzung zugeführt werden. Gleichzeitig sollte die stadtnahe Lage der Flächen und die unmittelbare Nachbarschaft zum Schulzentrum genutzt werden, um den Südhang des Bielenbergs als „Florenreservat“ der Öffentlichkeit zu öffnen und die Flächen für Zielsetzungen der Umweltbildung von Schülern und auch Studenten der Hochschule OWL zu nutzen. Eine wichtige Rolle sollte dabei eine in dichte Gebüsche eingewachsene Hütte spielen. Sie sollte renoviert werden und als Geräteschuppen, aber auch als „Grünes Klassenzimmer“ bei ungünstigen Witterungsverhältnissen zum Einsatz kommen. Aufgrund der positiven Resonanz der NRW Stiftung wurde in Zusammenarbeit von Landschaftsstation und NEW ein Förderantrag erarbeitet und am 09.05.2005 bei der NRW-Stiftung eingereicht. Der Förderbescheid für den Grunderwerb und notwendige Optimierungsarbeiten wurde am 20.06.2005 ausgestellt. Die Entscheidung über die Errichtung eines Lehr- und Erlebnispfades sowie über die Renovierung der Hütte wurde seitens der Stiftung zurückgestellt. Es sollte zunächst abgewartet werden, ob der Grunderwerb auch erfolgversprechend verläuft.

Der Erwerb der Flächen gestaltete sich tatsächlich recht zeitraubend und zog sich über 11 Jahre hin. Inzwischen sind die naturschutzfachlich wertvollsten Flächen gesichert – sie befinden sich im Eigentum der Stiftung bzw. des NEW. Damit die neu erworbenen Flächen ihre Potentiale entfalten können, wurden in den letzten Jahren umfangreiche Entbuschungs- und Pflegemaßnahmen durchgeführt. Die Entbuschungsarbeiten erfolgten weitgehend ehrenamtlich durch die damalige Jugendgruppe des NEW, die regelmäßige Pflege (v.a. Mahd) übernehmen weiterhin die Landschaftsstation und der NEW.

Die Fläche entwickelt sich

Im Oktober 2017 Jahres ergab sich dann eher zufällig die Möglichkeit, Langzeitarbeitslose in die Optimierungsarbeiten am Südhang des Bielenbergs einzubinden. Im Rahmen eines von der Volkshochschule Höxter und dem Jobcenter getragenen Projektes waren sechs bis acht Personen unter Anleitung eines Landschaftsarchitekten aktiv, um auf den wertvollen Flächen der Stadt Höxter und des NEW sowie auf den neu erworbenen Flächen Entwicklungsmaßnahmen im größeren Umfang umzusetzen.

Das Grüne Klassenzimmer entsteht

Im nächsten Schritt sollten nun die Arbeiten zur Umsetzung des Lehr- und Erlebnispfades unter Einbeziehung der auf dem Gelände befindlichen Hütte angegangen werden. Da die Bausubstanz im Laufe der Jahre deutlich gelitten hat, bedurfte es neben den eigentlichen Arbeitsleistungen größerer Finanzmittel für das benötigte Material. Die benötigten Summen konnten durch Sachspenden und vereinseigene Finanzmittel nicht aufgebracht werden. Daher wurde das Projekt in einen EU-Fördermittel-Antrag aus dem EFRE-Programm zur Förderung der „Grünen Infrastruktur“ integriert, der 2017 von der Stadt Höxter gestellt wurde.

Seit Frühjahr 2021 ist es so weit: Die geplanten Ideen konnten vom NEW mit Hilfe der EU-Fördermittel und erneut mit tatkräftiger Unterstützung der VHS Höxter und des Jobcenters verwirklicht werden. Die Hütte ist renoviert und das Außengelände ansprechend mit Naturmaterialien gestaltet worden. Damit steht auch der Nutzung der Hütte als „Grünes Klassenzimmer“ für Schulklassen und Studierende nichts mehr im Wege. So ist ein aufregender außerschulischer Lernort zur Umweltbildung in Höxter entstanden. Das vielfältig durch Wald, Wiesen, Gebüsche, Trockenmauern und Lößsteilwand strukturierte Gelände ermöglicht das hautnahe Kennenlernen von heimischen Pflanzen und Tieren und deren Lebensräumen. Durch die Nachbarschaft zum städtischen Schulzentrum lassen sich unterschiedliche Bildungsangebote räumlich und organisatorisch gut verknüpfen.

Damit noch mehr Menschen den Naturraum Bielenberg erleben können, führt eine neue Bielenberg-App die Besucher des Areals über einen Wanderweg zu verschiedenen Infotafeln. Es gibt konkrete Informationen zu den Besonderheiten des Gebietes sowie zur wertvollen Tier- und Pflanzenwelt des Bielenbergs. Dazu gehören die Wachholderbestände, Hecken, Hohlwege, Ackerbauterrassen und Steinbrüche sowie seltene Orchideen, Schmetterlinge, Lehmwespen und Fledermausvorkommen.

Wir freuen uns sehr, dass der Naturkundliche Verein Egge-Weser im Februar 2022 den 2. Platz beim Wettbewerb „Heimatpreis 2021“ der Stadt Höxter für das Bielenberg-Projekt erhalten hat. Damit wird nach vielen Jahren unermüdlicher Arbeit dieses wichtige Vorhaben des Vereins ausgezeichnet.

Danksagung:

Der Naturkundliche Verein Egge-Weser dankt der NRW-Stiftung, der Volkshochschule Höxter und dem Job-Center Höxter für die großzügige Unterstützung des „Bielenberg-Projektes“. Weiterhin dankt er seinen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und den Mitarbeitern der Landschaftsstation für ihren unermütlichen Einsatz zum Wohle der heimischen Natur.

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