Platz für Wärme liebende Tiere
Rodungsarbeiten am Selsberg bei Beverungen beginnen
Beverungen (nw). Der Kreis Höxter hat mit umfangreichen Optimierungsarbeiten im Naturschutzgebiet Selsberg bei Beverungen begonnen. Diese Arbeiten werden im Rahmen des von der EU, dem Land NRW und dem Kreis Höxter finanzierten Life+-Projektes „Vielfalt auf Kalk“ durchgeführt.
Im ersten Schritt werden am Selsberg erste Rodungsarbeiten durchgeführt, die vor allem das Ziel verfolgen, nicht standortgerechte Fichten zu entnehmen und dadurch Licht zu schaffen für Wärme liebende Pflanzen- und Tierarten, denen durch den dichten Nadelwald ihr Lebensraum streitig gemacht wurde.
Dass sich heute ausgedehnte Fichtenbestände an den steilen und flachgründigen Hängen des Selsberges befinden, beruhe auf einer Fehleinschätzung in der Vergangenheit, erläutert Kreisdirektor und Umweltdezernent Dr. Ulrich Conradi: „Nachdem auf den ehemals von Kalk-Halbtrockenrasen bedeckten Hängen die Ziegen- und Schafsbeweidung aufgegeben wurde, suchte man nach einer neuen Nutzung für die öffentlichen Flächen. Da Fichte ein wertvolles Bauholz liefert, entschied man sich für diese Baumart.“ Nicht beachtet habe man dabei allerdings, dass die flachgründigen und trockenen Böden für diese Baumart kaum geeignet sind. Die Bäume wachsen schlecht, sind zum überwiegenden Teil krank und als Folge dieser Vorschädigungen stark vom Borkenkäfer befallen.
In besonders steilen Bereichen des Selsberges wachsen Bäume überhaupt nicht. „Dort hat sich bis heute eine besonders wertvolle Lebensgemeinschaft erhalten, die letztendlich den naturschutzfachlichen Wert dieses Gebietes ausmacht“, weist Life+-Projektleiterin Andrea Weihs auf die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen hin.
Die im Verlauf der nun beginnenden Maßnahmen gerodeten Flächen sollen sich weitgehend selbst überlassen werden. „Die Natur soll hier entscheiden, welche Bäume aufwachsen. Lediglich an einigen Stellen sollen als steuernde Maßnahme Initialpflanzungen erfolgen“, schildert Weihs die Zielsetzung. So soll sich ein standortgerechter lichter Wald mit mehr oder weniger großen baumfreien Bereichen einstellen, der einer artenreichen Lebensgemeinschaft Platz bietet.
Auch die Erholungssuchenden werden profitieren, denn es entsteht ein einzigartiger Lebensraum am Selsberg, der im weiten Umfeld seinesgleichen sucht.
© 2012 Neue Westfälische Warburg, Donnerstag 2. Februar 2012