Ein lebendiges Bauwerk aus Weiden
Attraktion für den Schlosspark in Rheder geplant / Mitte März Baubeginn
VON HELGA KROOSS
Rheder. Wo in früheren Zeiten auf dem Areal der Schlossbrauerei Rheder Eisteiche angelegt worden sind, um im Winter Eis für die Kühlung des Bieres zu erzeugen, ist jetzt ein großes Lebendbauwerk aus Weiden geplant. Es soll die touristische und gastronomische Infrastruktur in Rheder stärken. Realisiert werden soll das Projekt im Rahmen der Initiative „Erlesene Natur - Naturerleben im Kreis Höxter“.
In das Metallgerüst sind Weidenruten eingebunden (kleines Foto). Im Laufe der Jahre verdichtet sich das Bauwerk und es bildet sich ein „grünes Dach“, wie auf dem großen Foto zu erkennen ist. FOTOS: INGVIL SCHIRLING
„Solch ein Bauwerk ist von der Bauweise und der Dimension her, einzigartig in unserer Region und wird sicherlich große Anziehungskraft haben“, gibt sich Dr. Kathrin Weihs, Leiterin des Projektes Erlesene Natur, zuversichtlich.
Inspirieren ließen sich Projektgruppe und Planer von einem vergleichbaren Bauwerk, einem Weidendom in Schlepzig im Spreewald. Das Bauwerk, das jetzt im Schlosspark Rheder entstehen wird, soll Bezug zum Kloster Corvey nehmen und das karolingische Westwerk widerspiegeln.
„Es geht uns dabei auch darum, die Wachskraft der Weiden zu präsentieren“, erklärte Dr. Burkhard Beinlich, der das Projekt am Montagabend im Bezirksausschuss Rheder vorstellte. Es sei beeindruckend mitzuerleben, wie sich das Bauwerk im Laufe der Jahre immer mehr verdichte und ein grünes „Dach“ bilde.
32 Meter lang und sieben Meter hoch soll das Weidenbauwerk werden. Die Kuppel hat eine Breite von 12 Metern. Der Eingangsbereich wird von zwei Türmen gebildet, die jeweils zwischen acht bis zehn Meter hoch sind. Für die Stabilität sorgt ein Gerüst aus Metall, in das sechs bis acht Meter lange Weidenruten eingebunden werden.
Natürlich ist das Weidenbauwerk für die Öffentlichkeit zugänglich und kann für verschiedene Feste genutzt werden oder einfach nur als schattiger Rastplatz dienen. Geplant ist auch ein Weidenlehrpfad für Kinder. Darüber hinaus ist ein Zugang zur Nethe vorgesehen, und es werden Ruhebänke und Liegen aufgestellt. Überlegt wird auch, ob ein Eisteich reaktiviert wird.
Derzeit werden das Grundgerüst aus Metall für das Weidenbauwerk vorbereitet und die Weidenruten, die aus der Region stammen, geschnitten.
Die Kosten des Projektes belaufen sich auf zirka 190.000 Euro und werden aus Mitteln der EU, des Landes und Eigenmitteln des Projektträgers finanziert.
Die operative Projektarbeit liegt bei Bioplan Höxter und der Gruppe „Sanfte Strukturen“ um Architekt Marcel Kalberer.
Bereits Mitte März könnten die Arbeiten zum Weidenbauwerk aufgenommen werden.
Eine detaillierte Planung wird den Brakeler Ratsmitgliedern, in der Ratssitzung am morgigen Donnerstag um 18 Uhr im Sitzungssaal Alte Waage vorgestellt.
Weidendom in Schlepzig
- In nur sechs Wochen wurde 2004 nach dem Entwurf des Schweizer Architekten Marcel Kalberer das erste „Baumwerk“ Brandenburgs errichtet.
- 200 Kubikmeter Weidenstangen, 840 Meter Stahlrohr, 3.000 Meter normales Seil und 150 Kilo Kokosseil wurden gepflanzt und zu der kuppelartigen Trägerstruktur verbunden.
- Nach fünf Jahren ist der 22 Meter breite und 11 Meter hohe Dom mit integrierter Bühne eingewachsen. Mit einem Teich wurde das Umfeld des Weidendoms weiter ausgestaltet.
- Genutzt werden soll er als Treffpunkt für Jung und Alt, als Rastplatz für Wanderer oder grünes Klassenzimmer.
© 2012 Neue Westfälische Warburg, Mittwoch 1. Februar 2012