Pressemeldung

Quelle: NW | Datum: 3. Januar 2012 | Autor:

Bäume fallen für den Naturschutz

Startschuss für „Life plus“-Projekt / Umweltdezernent wirbt um Verständnis für Rodungsarbeiten

Kreis Höxter (nw). „Es mag auf den ersten Blick nur wenig nach Naturschutz aussehen, doch sämtliche Arbeiten sind wohl durchdacht“. Umweltdezernent Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi möchte Missverständnissen vorbeugen, wenn in diesem Monat die ersten größeren Arbeiten für das Naturschutzprojekt „Life plus“ beginnen. Dabei wird es zum Teil zu erheblichen Eingriffen in die Natur kommen.

Insgesamt 1,1 Millionen Euro kann der Kreis Höxter in den nächsten Jahren in den Erhalt geschützter Lebensräume für selten gewordene Arten investieren. Möglich macht dies die erfolgreiche Bewerbung um Fördermittel aus dem EU-Programm „Life plus“ (die NW berichtete). „Damit können wir die einzigartigen Lebensräume von europäischem Rang im Kulturland Kreis Höxter weiter verbessern und unsere wunderschöne Landschaft noch attraktiver machen“, hatte Landrat Friedhelm Spieker seine Freude über den Wettbewerbssieg im August zum Ausdruck gebracht.

Das Kulturland Kreis Höxter ist mit Naturschönheiten reich gesegnet. Zahlreiche dieser Gebiete sind für den Erhalt der Artenvielfalt von überregionaler Bedeutung und wurden deshalb in das europaweite Schutzgebietssystem „Natura 2000“ aufgenommen. Sie stellen die sprichwörtliche „Schatzschatulle der Natur“ im Kreis Höxter dar. Da die meisten der schützenswerten Lebensräume erst durch den Menschen und sein Weidevieh entstanden sind, können sie nur erhalten werden, indem die traditionellen Nutzungsformen fortgeführt werden.

Damit dies möglich ist, müssen vorab häufig Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden. Das entsprechende Konzept dafür hat das Projektteam der Kreisverwaltung gemeinsam mit der Landschaftsstation im Kreis Höxter erarbeitet. „Wir haben im Kulturland Kreis Höxter eine besonders große Zahl einzigartiger Kalkmagerrasen und -buchenwälder. Genau diese Lebensräume zählen zu unserem europäischen Naturerbe, für das wir eine hohe Verantwortung tragen“, erläutert Dr. Ulrich Conradi. Trockenlebensräume, wie sie im Kulturland Kreis Höxter noch erhalten sind, gehören in Mitteleuropa zu den artenreichsten Lebensräumen, die jedoch akut gefährdet sind.

Der Biologe Dr. Burkhard Beinlich, Leiter der Landschaftsstation im Kreis Höxter, nennt einige der geplanten Maßnahmen. „Wir wollen die mageren Flachlandmähwiesen fördern und außerdem dafür sorgen, dass sich die Bestände geschützter Pflanzen wie Wacholder und die Frauenschuh-Orchidee erholen können.“ Eine weitere Aktion ist die Schaffung lichter Waldstrukturen. „Damit wollen wir erreichen, dass mehr Sonnenstrahlen den Waldboden erwärmen“, so Beinlich, „dies schafft für die dort lebenden Tiere und Pflanzen artgerechtere Lebensbedingungen.“

Los geht es im Januar und Februar mit den ersten größeren Maßnahmen in den Waldschutzgebieten. Am Ziegenberg bei Höxter werden die Rabenklippen freigestellt, am Selsberg bei Beverungen ist die Entnahme von Fichten vorgesehen, am Heinberg bei Ossendorf die Auflichtung des Hangwaldes zur Diemel. Die Arbeiten sollen vorrangig neuen Lebensraum für Schlingnatter, Zauneidechse oder den Frauenschuh schaffen.

Den Verantwortlichen bei der unteren Landschaftsbehörde des Kreises, den zuständigen Forstbehörden und bei der Landschaftsstation im Kreis Höxter ist bewusst, dass die Durchforstungs- und Rodungsarbeiten auf den ersten Blick nicht unbedingt den Eindruck einer Naturschutzmaßnahme vermitteln. „Doch bereits nach ein oder zwei Jahren wird von den Eingriffen nichts mehr zu sehen sein“, beruhigt Dr. Burkhard Beinlich. Neben den Zielarten werden dann auch Erholungssuchende von den neu geschaffenen Lebensräumen profitieren.

Eine der ersten Maßnahmen: Die Rabenklippen am Ziegenberg in Höxter sollen freigestellt werden.

   © 2012 Neue Westfälische
          Warburg, Dienstag 3. Januar 2012