Vom Treffen des Rabenvolkes
Abendliches Schauspiel am Himmel in der Region: Gemeinsam fliegen die Vögel zum Schlafplatz
VON SIMONE FLÖRKE
Warburger Land. Wenn es dämmrig wird, versammeln sich die schwarzen Gestalten in Scharen. Dann kreisen sie über den Köpfen der Menschen, stoßen unheimlich-krächzende Schreie aus und sorgen für Gänsehaut-Gefühl. Die abendliche Zusammenkunft der Krähen auf den Häusern in der Region ist ein Schauspiel, das viele Menschen den Blick interessiert nach oben wenden lässt. Auch wenn sich der ein oder andere wie in Alfred Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“ vorkommen mag.
Dutzende der schwarzen Vögel hatten sich jetzt wieder rund um das Amtsgericht, das Corvinushaus und das katholische Pfarrheim der Warburger Neustadt versammelt. Aber auch in der Kasseler Straße, der Altstadt und hinter der Post wurden sie schon in Schwärmen gesichtet. Ein Phänomen, das die Vogelkundler gut kennen und erklären können. „Sie versammeln sich in der Dämmerung zum Flug zu ihren Schlafplätzen“, sagt Peter Köhler vom Kreis Höxter.
Auch Karl-Heinz Beine aus Warburg kennt das Phänomen der Raben-Schwärme am Himmel, hat dies unter anderem schon an der alten Post in Warburg und Richtung Schießstand Prinzenhöhe an der Diemel beobachtet: „Es sind Massen, die in der Dämmerung schreien und krächzen.“ Und es dauere manchmal sehr lange, bis sie endlich zur Ruhe fänden. Die Vögel seien „unglaublich vorsichtig“, deshalb versammelten sie sich immer in großen Scharen zu ihrem Flug zum Schlafplatz.
Die Vögel seien auch aufgrund des milden Winters noch in der Region geblieben. „Sie finden hier noch genug zu fressen, der Boden ist weich.“ Das bestätigt Dr. Burkhard Beinlich von der Landschaftsstation im Kreis Höxter im Steinernen Haus in Borgentreich. Er spricht auch von sogenannten „Strich-Vögeln“, die nur so weit wegziehen wie nötig, um den Winter gut zu überstehen. Eine durchaus ökonomische Lebensführung. „Wenn sie genug Nahrung finden, beispielsweise auch auf Müllkippen oder weggeworfene Nahrungsmittel in Grünanlagen, dann bleiben sie da.“ Wenn nicht oder auch bei heftigem Schnee, würden sie weiter gen Süden oder ins Rhein-Tal ausweichen.
„Rabenkrähen sind sehr soziale und intelligente Vögel – allerdings keine Kolonie-Vögel, sondern eher Vögel mit eigenen Nestbezirken und Revieren“, erklärt Beinlich. Im Winter schließen sie sich aber zu großen Verbänden zusammen. Auch die Strich-Vögel aus dem Norden oder Osten kämen hinzu. Und dann gebe es die unverpaarten Jungvögel, die sich in Jugendgruppen zusammentun. Sie alle würden anschließend die Schlafbäume und -plätze in der Umgebung aufsuchen. Und vorher ein wildes Krächz-Konzert aufführen. Die großen, auffälligen Rabenkrähen gehörten zwar zu den Singvögeln, erklärt der Experte, fügt aber schmunzelnd an: „Aber nicht jeder singt eben schön.“ Und sie seien ein „sehr zänkisches Rabenvolk“, das sehr viel sozial interagiere und sich auch mal um bevorzugte Sitzplätze auf Häusern oder Bäumen lautstark streite.
INFO
Schwarzes Gefieder
- Die Rabenkrähe besitzt ein schwarzes, bläulich schimmerndes Gefieder.
- Sie hat eine Länge von ungefähr 47 Zentimetern.
- Der schwarze Schnabel ist dick, der Oberschnabel vorne gebogen.
- Der Stoß ist gerade. Die Beine sind ebenfalls schwarz.
- Das Gefieder der kräftigen, etwa 46 Zentimeter großen Saatkrähe ist einheitlich schwarz, mit leicht rötlichem Glanz. Je nach Lichteinfall schillern Scheitel und Nacken grünlich- oder violett-metallisch.
- Der Schnabelgrund der Altvögel ist nackt und grindig-weißlich, derjenige der Jungvögel ist noch befiedert.
- Der Schnabel ist spitz, etwas nach unten gebogen und schlanker als jener der Rabenkrähe.
- Im Flugbild ist die Saatkrähe an den etwas längeren und tiefer gefingerten Schwingen recht gut von der Rabenkrähe unterscheidbar. Ihr Flug wirkt leichter, der Flügelschlag ist etwas schneller.
© 2011 Neue Westfälische Warburg, Donnerstag 29. Dezember 2011