Tagung zum Thema Biomasse versus Kulturlandschaft in der Brakeler Stadthalle
Die unbeliebten Maisfelder sind viel wert
Brakel (jura). Die hohen Maisfelder im ganzen Kreis Höxter - die sind vielen Anwohnern und Touristen ein Dorn im Auge. Die großen Flächen seien nicht schön anzusehen und würden die Sicht behindern, das sind die üblichen Argumente, die Alexander Hake oft zu hören bekommt. Er ist Projektbetreuer der Bioenergie-Region Kulturland Kreis Höxter. Um die Problematik Biomasse oder Kulturlandschaft zu diskutieren, hat der Kreis Höxter in der Brakeler Stadthalle eine Tagung zu dem Thema veranstaltet.
„Wir werden von Besuchergruppen oft angesprochen, ob das denn sein muss, mit den vielen Maisfeldern“, berichtet Alexander Hake. Wieviel energetischen Mehrwert dieser Mais bringt, wissen allerdings die wenigsten. „Wenn wir erzählen, dass eine handelsübliche Biogasanlage etwa 2.000 Haushalte mit Strom versorgen kann, sind unsere Besucher meistens total erstaunt“, fügt Hake hinzu.
Bei der Tagung hat man sich mit diesem Thema auf wissenschaftlicher Basis auseinandergesetzt. Zunächst begrüßte Landrat Friedhelm Spieker die 160 anwesenden Gäste. Dann folgte ein Vortrag von Professor Dr. Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES). Er sprach zunächst über die Gesamtsituation der erneuerbaren Energien in Deutschland und machte deutlich, dass die Klimaschutzziele 2050 ohne Biomasse nicht erreicht werden können.
Als nächstes kam Stefan Berens von der Landwirtschaftskammer NRW zu Wort. Er ging speziell auf die Situation im Kreis Höxter ein. Die Biomasse-Anbaufläche im Kreis Höxter beträgt 5.580 Hektar, insgesamt gibt es 52.183 Hektar Ackerbaufläche im ganzen Kreis.
11,2 Prozent der Ackerfläche im Kreis Höxter ist mit Mais bestellt. „Von vielen Zuhörern war das ganz anders empfunden worden“, berichtet Hake. „Aber das liegt wohl auch daran, dass im Moment nur noch der Mais auf den Feldern steht und der so natürlich auffällt.“ Berens ging auch darauf ein, wieviel Ackerfläche im Kreis Höxter überhaupt noch mit Biomasse-Pflanzen bestellt werden kann: Nur noch 2.000 Hektar. „Wir sind in der Entwicklung schon denkbar weit“, beruhigt Alexander Hake. „Es gibt gar nicht mehr viele Möglichkeiten, die Anbauflächen nach oben hin auszuweiten“, fügt er hinzu.
Im Anschluss sprach Professor Doktor Ulrich Riedl von der Hochschule OWL. Er hatte in einem Projekt untersucht, wie sich das Landschaftsbild und die Biodiversität durch den Anbau von Biomasse-Pflanzen verändert. Dabei hat Riedl geprüft, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen das veränderte Landschaftsbild empfinden. Das Ergebnis: Beliebter ist eine vielfältigere und niedrigere Bepflanzung, die nicht die Sicht behindert. Durch die veränderten Anbaupflanzen ist auch ein Rückgang der Tiervielfalt zu verzeichnen.
Ziel der Veranstaltung war die Erkenntnis, dass sich durch den Biomasseanbau etwas verändert - sichtbar in der Landschaft und unsichtbar in der Artenvielfalt. Weiterhin ging es um Möglichkeiten, diesen Veränderungen entgegenzusteuern. Zum Beispiel können Landwirte am Rand ihrer Felder an Straßen oder nahe von Wohngebieten einen Streifen mit Sonnenblumen säen - für die Optik.
© 2011 Neue Westfälische Warburg, Montag 12. September 2011