Pressemeldung

Quelle: NW | Datum: 5. August 2011 | Autor: BURKHARD BATTRAN

Alte Landschaften sollen erblühen

Der Kreis Höxter erhält 1,1 Millionen Euro zum Schutz des europäischen Naturerbes im Kulturland

VON BURKHARD BATTRAN

Kreis Höxter. Es sind nicht so sehr die undurchdringlichen Urwälder, die die besondere naturlandschaftliche Bedeutung des Kreises Höxter ausmachen. Es sind vielmehr die über Jahrhunderte gewachsenen, lichten offenen Kulturlandschaften, in denen Lebensräume für seltene Tieren und Pflanzen entstanden sind, wie man sie sonst in NRW nicht mehr findet.

„Nehmen wir das Dreizähnige Knabenkraut oder den Frauenschuh: Für die beiden europäischen Orchideenarten ist der Kreis Höxter eines der wichtigsten Verbreitungsgebiete in ganz Deutschland“, sagte gestern Diplom-Geograf Frank Grawe von der Landschaftsstation im Kreises Höxter. Aber auch im Kulturland-Kreis Höxter geht die Zahl der Orchideen zurück. Wir haben noch 18 Frauenschuh-Standorte, die wollen wir gärtnerisch vermehren und auch neue Lebensräume schaffen“, sagte Grawe.

Großes Projekt: Fachbereichsleiter Michael Werner (v. l.), Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi, Andrea Weihs (Untere Landschaftsbehörde), Projektbeauftragter Frank Grawe (Landschaftsstation), Landrat Friedhelm Spieker und Projektbegleiterin Astrid Brinkmann. FOTO: BURKHARD BATTRAN

Dafür und für weitere Maßnahmen bekommt der Kreis Höxter für die nächsten fünf Jahre 1,1 Millionen Euro EU-Fördergelder. Wir setzen 150.000 Euro an eigenen Mitteln ein und generieren so einen ganz erheblichen Mehrwert, denn nach Ablauf des Projekts werden wir nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des europäischen Naturerbes geleistet haben, sondern auch eine Stärkung der Tourismuswirtschaft“, betonte Landrat Friedhelm Spieker. Das Projekt beginnt im September und läuft bis Oktober 2016. In diesen fünf Jahren sollen in elf der 43 FFH-Schutzgebiete im Kreis Höxter besondere Maßnahmen getroffen werden. „Geplant ist, den Erhaltungszustand und die Artenvielfalt in den Natura-2000-Gebieten nachhaltig zu verbessern“, sagt Projektleiter Frank Grawe.

Die Gebiete liegen überwiegend an den Südhängen der Flusstäler von Weser, Nethe und Diemel. Dort herrscht ein geradezu mediterranes warmes und trockenes Klima, das durch kalkige poröse Böden noch zusätzlich begünstigt wird. Früher wurden auf den nährstoffarmen und für intensive Landwirtschaft nicht nutzbaren Flächen Ziegen und Schafe geweidet. So ist eine einzigartige Kulturlandschaft entstanden, die seltenen Orchideenarten und bedrohten Schmetterlingen wie dem Enzian-Bläuling oder dem Schwarzfleckigen Feuerfalter zur Heimat geworden sind. „Weil diese Flächen immer weniger beweidet werden verbuschen sie. Das betrifft insbesondere die Kalkmagerrasen um Dalhausen, Ossendorf und am Desenberg. Hier müssen wir mit Maschinen ran. Das kostet alles Geld“, sagt Grawe. Geplant ist die Wiederherstellung von 15,5 Hektar Mähwiesen. „Ich denke hier auch besonders an die weit- und breit einzigartigen Salbeiwiesen bei Ossendorf“, sagt Grawe.

Auf weiteren 5,8 Hektar sollen die überalterten Bestände der Wachholderheiden verjüngt werden. Auf 29,3 Hektar sollen Waldbestände gelichtet werden, um insbesondere dem Frauenschuh neue Lebensräume zu schaffen. 4,8 Hektar Nadelwald soll in Laubwald umgewandelt werden. Im Bereich der Rabenklippen bei Höxter soll die Vegetation radikal zurückgeschnitten werden. „Einerseits dient dies dem Tourismus, da eine wunderbare Aussicht geschaffen wird. Auf der anderen Seite, schaffen wir damit Lebensräume für seltene Tierarten wie die Schlingnatter, die Zauneidechse oder den Neuntöter. „Das schöne an diesem neuen Förderprojekt ist, dass es nahtlos in vorherige Projekte wie die Erlesene Natur oder das Natura-2000-Projekt anknüpft und wir hier kein Projekt-Flickwerk betreiben, sondern einem übergeordneten Leitthema folgen, nämlich die traditionellen Lebensräume des Kulturlands Kreis Höxter zu erhalten“, betonte Landrat Spieker. „Auch bei diesem Projekt wollen wir die Bevölkerung mitnehmen und in öffentlichen Infoveranstaltungen über den Fortgang Auskunft geben“, sagte Bauamtsleiter Michael Werner. „ Zwei bis dreimal wollen wir öffentliche Exkursionen in die Projektgebiete veranstalten und Sonderausflüge für Schulklassen anbieten“, ergänzte Planerin Andrea Weihs von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises.

INFO

Die Gebiete
Im Kreis Höxter gibt es 43 FFH-Schutzgebiete. In elf davon können im Rahmen des Live-plus-Projekts Maßnahmen umgesetzt werden: Es sind die steilen Weserhänge bei Höxter, die Kalkmagerrasengebiete bei Ottbergen, Ossendorf und Dalhausen, der Wandelnsberg und die Wälder um Beverungen, der Samensberg bei Manrode, der Hellberg und der Scheffelberg bei Warburg sowie der Desenberg und der Schwiemelkopf. (bat)


   © 2011 Neue Westfälische
          Warburg, Freitag 05. August 2011